Wege zur Verbesserung

Das Zifferblatt einer Uhr, die statt jeder Uhrzeit eine Rechnung anzeigt, z.B. „-25+6x6“ für 11 Uhr

Die Uhr in meiner Praxis ist eines der ersten Dinge, auf die ich neue Klienten hinweise, wenn sie ihnen nicht bereits selbst aufgefallen ist. Für mich stellt ihr Zifferblatt sehr anschaulich dar, worum es in meiner Arbeit geht:

Das Ziel ist bekannt, nun gilt es herauszufinden, wie und auf welchen Wegen und wie viele Arten Sie es erreichen können und möchten.

Ziele zu haben ist sicherlich häufig hilfreich, aber nicht immer. Im Gegenteil: Wenn Sie etwas Neues erlernen, sollten Sie das Ziel womöglich erst einmal außer Acht lassen. Das meinte zumindest Moshé Feldenkrais:

Es gibt unüberschaubar viele Methoden, Verfahren, Systeme oder Wege, die Menschen lehren möchten, sich selbst zu verbessern. Sie unterscheiden sich in vielen, wenn nicht in fast allen Punkten und doch haben sie alle eines gemeinsam:
Sie benötigen Raum und Zeit, sie benötigen ein Hier und ein Jetzt.

Verbesserung gibt es nicht ohne Veränderung, damit ich etwas ändern kann, muss ich lernen zu unterscheiden, zwischen dem, was ich bisher getan habe und dem was ich in Zukunft anders machen möchte. Das ist ein Erkenntnisprozess, genauer: eine Form der Selbsterkenntnis. Die Inspiration hierzu stammt von Moshé Feldenkrais. Er sagte:

Sich selbst zu erkennen ist vielleicht das Wichtigste, was ein Mensch für sich selbst tun kann.

Er entwickelte im Laufe von ca. vierzig Jahren ein System, das heute als Feldenkraismethode bekannt geworden ist.
In meinem R·A·U·M  für  Verbesserungen biete ich Ihnen einen weniger bekannten Weg zur Selbsterkenntnis – durch Bewegung.

Die Feldenkraismethode: Selbsterkenntnis durch Bewegung

Moshé Feldenkrais nannte seine Methode und sein erstes Buch auf Englisch Awareness through Movement was in der deutschen Übersetzung leider zu Bewusstheit durch Bewegung wurde. Leider, weil die vielen anderen Bedeutungen von awareness dadurch aus dem Blick geraten sind. Laut Linguee sind das: Bewusstsein, Kenntnis, Aufmerksamkeit, Wahrnehmung und seltener, Erkenntnis, Gewahrsein und eben Bewusstheit.

Im Hebräischen Original, das er schon fünf Jahre vorher veröffentlichte, wählte Feldenkrais wiederum eine ganz andere Bezeichnung für seine Methode: Verbesserung der Fähigkeiten. Theorie und Praxis.

Diese Ambiguität lässt sich interessanterweise gut aushalten, wenn man sich die verschiedenen Begriffe wie Bälle beim Jonglieren vorstellt, von denen viele gleichzeitig in der Luft in Bewegung sind und immer einer gerade die Hand berührt.

Weg, Philosophie und Methode

Das Word heißt auf Japanisch Weg kann aber auch mit Pfad, oder abstrakter mit Grundsatz, Lehre, Philosophie, Richtung, Prinzip, Methode übersetzt werden.

柔道 Jûdô wird auf Deutsch meist mit Sanfter Weg übersetzt.

Ziele

Indem wir unsere Aufmerksamkeit vom Ziel und unserem Erfolgsdrang weg auf die Mittel und Wege unseres Tuns verschieben, wird der Lernprozess leichter, ruhiger und schneller. Zielstrebigkeit schwächt den Anreiz zum Lernen; wenn wir dagegen ein Handlungsniveau wählen, das ohne weiteres im Bereich unserer Mittel liegt, können wir unsere Handlungsweise verbessern und am Ende ein viel höheres Niveau erreichen.

Dieses Zitat von Moshé Feldenkrais wird häufig dahingehend interpretiert, dass er Ziele und das Erreichenwollen von Zielen grundsätzlich in Frage stellte. Dazu war er jedoch viel zu sehr Pragmatiker:

Im Leben muss jede Handlung im richtigen Augenblick mit der richtigen Geschwindigkeit und dem richtigen Maß an Kraft ausgeführt werden. Wird eine dieser Bedingungen nicht erfüllt, so wird die Handlung gefährdet oder zunichte: sie wird ihren Zweck verfehlen (S. 133)

Seine Aussage bezieht sich auf den Lernprozess an sich(mehr dazu im Abschnitt Lernen):

Lassen Sie beim Lernen jede Absicht weg, es richtig zu machen: tun Sie nichts gut oder schön und eilen Sie nicht, denn Eile stiftet Verwirrung. Gehen Sie langsam vor und wenden Sie lieber weniger Kraft auf als nötig ist (S. 136).